Kämpferische Demo „Safety for all refugees“ trotz massiver Repression /// Powerful Demonstration „Safety for all refugees“ despite massive repression

[Deutsch und Bilder weiterunten]

Powerful Demonstration „Safety for all refugees“ despite massive repression

Today, many people followed the call for a car demonstration in Zurich titled „Safety for all refugees“. The police presented a huge contingent, many cars were kettled, cars were confiscated, people arrested. The antiracist resistance could not be stopped, despite the massive repression! In Kreis 4 and 5 a big car and bike demonstration could take place. The hygiene measures to fight the spread of COIVD19 were always obeyed, in contrast to the police!

The protest highlighted the racist politics of Switzerland and the EU, who use the Corona Crisis to further strengthen the structural racism. One thing we know for sure: Not only now in the Corona Crisis one can see the state of emergency, for refugees and other people, living in precarious living situations, this has always been a fact.

For people living in Asylum centres and camps, it’s impossible to protect themselves against the virus. Ten people living in one room, bad hygiene conditions, defective isolation of infected people, asylum procedures without legal assistance: The racist system of Switzerland! Meanwhile are 40’000 people living closely together in camps on Greek islands – barely protected against the virus. An outbreak of the pandemic in the camps would lead to an even worse catastrophe: Hundreds, thousands of dead are probable. Even on the Mediterranean the crisis is used to murder. War, Poverty through the colonial and imperialist exploitation, all this still exists and people are still fleeing. Italian and Maltese ports are closed, rescue at sea is stopped, deportations to Libya – the refugees are being left alone on the sea, the EU tries actively to drown them, many are dying!

We demand the evacuation of the camps in Greece, decentral housing of refugees in Switzerland and the immediate activation of the rescue at sea.

Massive Repression – Police ignores the safety measures

The police of the city of Zurich, with an enormous contingent, tried to hinder the protest against these racist conditions. Cars were confiscated, people arrested and a whole street was blocked. The demonstrators always upheld the hygiene measures, the police on the other hand ignored them in a blatant manner. No masks, no gloves, no distance, physical contact –the police was the real threat of spreading the corona virus.

Swiss state suppresses criticism

The increasing repression against people, who protest against the capitalist, racist and sexist system, is frightening but was to be expected. Mario Fehr, responsible for the miserable conditions in Zurich’s asylum centres and for sure not responsible for a demonstration in Zurich, tries to give instructions in the Tagesanzeiger to fight off criticism against his politics and to expiate the demonstrators. The police follow his instructions. Today it has been made clear that the virus is used as an excuse. The state uses the crisis to dismantle rights and hush up the critique. The system is showing its ugliest face during this crisis; authoritarian measures to uphold the racist, patriarchal setting and to protect profits. Let’s fight back, be resilient! The resistance continues and Mai 1st is more important than ever! Let’s keep moving!

#RiseAgainstBorders
#LeaveNoOneBehind

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Unter dem Titel „Safety for all Refugees“ wurde heute zu einer Autodemonstration in Zürich aufgerufen. Die Polizei reagierte mit einem riesigen Aufgebot, viele Autos wurden eingekesselt, Autos konfisziert, Menschen verhaftet. Trotz der massiven Repression liess sich der antirassistische Widerstand nicht aufhalten! Im Kreis 4 und 5 gab es eine grosse Auto- und Velodemo. Die Corona-Schutzmassnahmen wurden von den Teilnehmenden, im Gegensatz zur Polizei, eingehalten!

Es wurde heute gegen die rassistische Politik der Schweiz und der EU protestiert, die die Corona-Krise nutzt um den sowieso vorhandenen strukturellen Rassismus zu festigen. Denn eins ist klar: Es war schon vor Corona Notstand für Geflüchtete und andere Menschen in prekarisierten Lebenssituationen.

In den Schweizer Asylunterkünften und Lagern ist es für die Menschen unmöglich sich vor Corona zu schützen. Zehn Menschen in einem Zimmer, schlechte Hygienebedingungen, mangelhafte Isolation von infizierten Personen, unterirdische Bunker, Asylverfahren ohne Rechtshilfe: Das rassistische System Schweiz!
Derweil leben auf den griechischen Inseln über 40’000 Menschen in Lagern zusammengepfercht – dem Corona-Virus fast schutzlos gegenüber stehend. Ein Ausbruch der Pandemie in den Lagern würde die Katastrophe ins Unermessliche steigern: Hunderte, tausende Tote wären wahrscheinlich.
Auch auf dem Mittelmeer wird die Krise genutzt um rassistisch zu morden. Krieg, Armut durch Kolonialismus, all das existiert weiterhin und die Menschen flüchten immer noch. Italienische und maltesische Häfen zu, Seenotrettung ausgesetzt, illegale Rückführungen nach Lybien – die Flüchtenden werden auf dem Mittelmeer alleine gelassen, die EU versucht aktiv die Menschen ertrinken zu lassen, es sterben Unzählige!

Wir fordern die Evakuieren der Camps in Griechenland, die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten in der Schweiz und die sofortige Wiederaufnahme der Seenotrettung im Mittelmeer!

 
Massive Repression – Polizei missachtetet Schutzmassnahmen
Die Stadtpolizei Zürich hat heute mit einem krassen Polizeieinsatz versucht zu verhindern, dass Kritik an diesen rassistischen Zuständen geäussert wird. Dabei wurden mehrere Autos konfisziert, Leute verhaftet und eine ganze Strasse gesperrt. Bei der Demo wurden zu jederzeit die Corona-Schutzmassnahmen eingehalten, die Polizei dagegen missachtete diese auf krasse Art und Weise. Keine Masken und Handschuhe, kein Abstand, körperlicher Kontakt – die wirkliche Gefahr der Corona-Verbreitung kam heute von der Polizei.
Schweizer Staat unterdrückt Kritik
Das ansteigende Ausmass der Repression gegen Menschen, welche das kapitalistische, rassistische und sexistische System bekämpfen, ist ebenso erschreckend wie zu erwarten. Mario Fehr, Verantwortlicher für die unzumutbaren Zustände in den Zürcher Notunterkünften und sicher nicht zuständig für Demonstrationen in der Stadt Zürich, gibt im Tages Anzeiger die Anweisung, eine Demonstration gegen seine Politik zu unterdrücken und die Teilnehmenden zu büssen. Die Polizei folgt bei Fuss. Dass das Corona-Virus nur vorgeschoben war, zeigte sich heute offensichtlich. Der Staat nutzt die Krise um Grundrechte auszuhebeln und kritische Stimmen mundtot zu machen. Das System zeigt in der Krise seine hässlichste Seite; autoritäre Massnahmen zur Aufrechterhaltung von rassistischen, patriarchalen Verhältnissen und dem Schutz von Profit.
Wehren wir uns, kämpfen wir dagegen an! Der Widerstand geht weiter und ist am 1. Mai wichtiger denn je! Bleiben wir in Bewegung!#RiseAgainstBorders
#LeaveNoOneBehind

Media release | Medienmitteilung 3. & 16. April

[Fotos below] [english below]

Medienmitteilung 16. April 2020

Auch heute waren wir mit Transparenten, Schildern und einer Rede präsent vor dem Medienhaus in Bern. Währenddem die Medienkonferenz des Bundesrates stattfand, machten wir auf die Situation der Menschen die vom Grenz- und Asylregime betroffen sind. Unsere Forderungen bleiben die gleichen wie bei der Aktion vom 3. April (siehe weiter unten), die Situation verschlechtert sich weiterhin.

Kaum gingen die Medienschaffenden an die Konferenz, kesselte die Polizei die Anwesenden ein, führten Personenkontrollen durch und verteilten Bussen.  Während der Aktion achteten die Anwesenden auf genügend Abstand untereinander und alle trugen eine Schutzmaske, gefährdet wurde also niemand. Die Massnahmen des Staates dienen also nicht nur dem Schutz der Menschen, sondern verstärken die Kontrolle und Überwachung und verunmöglichen Widerstand. Gleichzeitig wie hier striktes Versammlungsverbot gilt, werden Menschen in den Asylcamps in der Schweiz und in den Camps an den europäischen Grenzen unter miserablen hygienischen Bedingungen zusammengepfercht und jegliche Möglichkeit sich selbst zu schützen genommen.

Nur wer ein Zuhause hat kann zu Hause bleiben, nur wer fliessend Wasser hat kann sich regelmässig die Hände waschen.

#riseagainstborders

Media release 16 April 2020

With banners, signs and a speech we were present in front of the mediahouse in Bern today. While the media conference of the Federal Council was taking place, we drew attention to the situation of the people affected by the border and asylum regime. Our demands remain the same as at the last action on April 3. (see below).

As soon as the media representatives left for the conference, the police surrounded those present, checked there identity and distributed fines. During the action, those present kept a sufficient distance from each other and everyone wore protective masks, so nobody was endangered. The measures taken by the state therefore don`t only protect people, but also strengthen control and surveillance and make resistance impossible. While there is a strict ban on assembly, the people in asylum camps in Switzerland and in the camps on the european borders are crammed together under miserable hygienic conditions and deprived of any possibility of protecting themselves.

Only those who have a home can stay at home, only those who have running water can wash their hands regularly.

#riseagainstborders

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Medienmitteilung 3. April 2020

[english below]

Mit physical distancing gegen social distancing. Mit Transparenten und je 2 Meter Abstand voneinander protestierten heute Aktivist*innen in Bern. Während der Bundesrat die Medien über seine neusten Beschlüsse informierte, hielten die Aktivist*innen vor dem Medienhaus eine Rede. Darin kritisieren sie die aktuelle Politik des Bundesrates. Dieser setzt geflüchtete Personen in Coronazeiten auf unsolidarische Weise diskrimierenden Risiken aus. Vier Forderungen soll der Bundesrat unverzüglich umsetzen:

1. Der Bundesrat soll die Grenzen für Geflüchtete (wieder) öffnen. Es geht nicht an, dass Schweizer*innen per Sonderflüge zurückgeflogen werden oder die Grenze für Arbeitskräfte offen ist, während geflüchteten Menschen in Notlagen der Zugang in die Schweiz verweigert wird. Den Geflüchteten, die derzeit im griechisch-türkischen Grenzgebiet blockiert sind, könnte der Bundesrat z.B. über den Schutzstatus S direkt eine Einreise in Schweiz ermöglichen.

2. Der Bundesrat soll aufgrund der engen Platzverhältnisse unverzüglich darauf verzichten, geflüchtete Menschen in Asylzentren unterzubringen und ihnen Wohnungen oder Hotelzimmer zur Verfügung stellen.

3. Der Bundesrat soll unverzüglich alle Migrant*innen in Administrativhaft befreien. Wegen Corona besteht keine Grundlage mehr, die Personen weiter gefangen zu halten.

4. Der Bundesrat soll unverzüglich aufhören, negative Asylentscheide zu fällen. Wegen Corona besteht kein wirklicher Rechtsschutz mehr, da die Strukturen der Rechtsvertretung nicht mehr unter ordentlichen Umständen arbeiten.

Die Aktion sieht sich als Teil von der Kampagne #RiseAgainstBorders


Press release

With physical distancing against social distancing. With banners and standing two metres appart from each other anti-racist activists protested in bern today. While the Federal Council informed the media about its latest decisions, the activists held a speech in front of the media building (see below). In it they criticised the current policy of the Federal Council. In corona times the Federal Council is exposing refugees to discriminatory risks. The Federal Council should implement these four demands immediately

1. the Federal Council should (re)open the borders for refugees. It is not acceptable for swiss nationals to be flown back by special flights or for the border to be open to workers while refugees in emergency situations are denied access to Switzerland. The Federal Council could, for example, allow refugees currently blocked at the Greek-Turkish border area to enter Switzerland directly via protection status S.

2. The Federal Council should immediately refrain from accommodating refugees in asylum centres and provide them with apartments or hotel rooms due to the limited space in the centers.

3. The Federal Council should immediately release all migrants in administrative detention. Because of Corona, there is no longer any basis for keeping the people in detention.

4. The Federal Council should immediately stop making negative asylum decisions. Because of Corona, there is no longer any real legal protection, as the structures of legal representation no longer operate under proper circumstances.

The action sees itself as part of the campain #RiseAgainstBorder

Action_Mediacenter_01

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online discussion: access to health care for refugees in Greece

https://www.openeyes.ch/single-post/16042020

6.04.2020, 8 p.m. (CET) /// live-stream

What became obvious in light of the coronavirus has already been an urgent problem before: Access to health care is not sufficiently provided to refugees in Greece.

  • Parwana Amiri: author, poet and activist, is currently a resident of Ritsona refugee camp

  • Cassandra Espinosa: caseworker with Medical Volunteers International and the Khora Asylum Support Team in Athens

  • Damian Cavallaro: worked with Khora in Athens, in Switzerland he is involved in an evaluation of the Greek asylum law 

  • Jasamin Beigui: specialist for internal medicine in Germany, has been several times on Lesvos since 2018

  • Robert Nestler: co-founder and legal coordinator at Equal Rights Beyond Borders

If you have questions you want to ask the panel or one specific panellist get in touch with openeyes

Autodemo /Car – demonstration Zürich: Safety for all refugees!

english below

Es war schon vor Corona Notstand!

Gefährliche Zustände in Schweizer Asyllagern, katastrophale Situation in den griechischen Geflüchteten-Lager, Tote auf dem Mittelmeer – all das ist nicht neu. Doch die Corona-Krise zeigt wieder einmal die krassen Abgründe eines Systems, welches Menschen nach Race, Klasse und Gender hierarchisiert, unterdrückt und den Profit über alles stellt.

In den meisten Schweizer Asylunterkünften ist es für die Menschen unmöglich, sich effektiv gegen das Corona-Virus zu schützen – trotz allen Beteuerungen und Ausflüchten von Bund und Kantonen. Zehn Menschen auf einem Zimmer, schlechte Hygienebedingungen, mangelhafte Isolierung von infizierten Personen, all das ist weiterhin Realität. In Urdorf z.B. leben 40 Menschen unter katastrophalen Bedingungen in einem unterirdischen Bunker. Statt diese Bedingungen zu verbessern, hat der Bundesrat nun Asylverfahren ohne Rechtshilfe ermöglicht und die Ausreisefristen verlängert, damit Ausschaffungen weiter stattfinden können. All das war schon vor Corona ein Skandal und Teil des rassistischen Systems Schweiz.

Auch ausserhalb der Schweiz trifft die Krise diejenigen, die sowieso schon unter der rassistischen europäischen Politik leiden, am härtesten. In den Lagern auf den griechischen Inseln leben über 40’000 Menschen in katastrophalen Zuständen – auch das bereits vor dem Corona-Virus. Nun ist die Situation noch dringlicher, die Menschen in diesen Lagern müssen in Sicherheit gebracht werden, und zwar sofort! Bei einem Ausbruch der Pandemie in den Lagern droht eine Katastrophe unermesslichen Ausmasses.

Wir fordern Sicherheit für alle Geflüchteten, sei es in der Schweiz, auf den griechischen Inseln oder sonst wo auf der Welt!
Genauere Forderungen hier: https://riseagainstborders.org/2020/04/03/rede-grenzen-und-hotels-oeffnen-speech-open-borders-and-hotels/

Wir gehen deshalb auch während der Corona-Krise auf die Strassen, gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass wir Widerstand organisieren.

Uns ist es wichtig, dass wir die Schutzmassnahmen gegen das Corona-Virus einhalten. Kommt daher mit maximal 5 Personen pro Auto, bleibt in den Autos drin und bildet Gruppen mit Menschen, mit denen ihr sowieso schon in Kontakt seid.

Treffpunkt: Samstag, 18.04.20, 14 Uhr, Besammlung Heinrichstrasse Zürich(vorderstes Auto vor dem Abaton).
Dekoriert eure Autos mit Transparenten, Fahnen, Plakate!

#LeaveNoOneBehind
#RiseAgainstBorders

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We were in a state of emergency even before corona!

Dangerous conditions in Swiss asylum camps, catastrophic situation in Greek refugee camps, deaths in the Mediterranean – all this is not new. But the corona crisis once again shows the blatant abysses of a system that hierarchizes people according to race, class and gender, oppresses them and puts profit above everything.

In most Swiss asylum centres it is impossible for people to protect themselves effectively against the coronavirus – despite all assurances and excuses of the federal government and the cantons. Ten people in one room, poor hygienic conditions, inadequate isolation of infected persons, all this is still a reality. In Urdorf, for example, 40 people live under catastrophic conditions in an underground bunker. Instead of improving these conditions, the Federal Council has now made asylum procedures without legal assistance possible and extended the time limits for leaving the country so that deportations can continue. All this was already a scandal before Corona and part of Switzerland’s racist system.

Outside Switzerland, too, the crisis is hitting those who were already suffering from racist European politics the hardest. In the camps on the Greek islands, over 40’000 people are living in catastrophic conditions – even before the coronavirus. Now the situation is even more urgent, the people in these camps must be brought to safety – immediately! If the pandemic breaks out in the camps, a catastrophe of immeasurable proportions is imminent.

We demand security for all refugees, whether in Switzerland, the Greek islands or anywhere else in the world!

Find the more precise demands here: https://riseagainstborders.org/2020/04/03/rede-grenzen-und-hotels-oeffnen-speech-open-borders-and-hotels/

We therefore take to the streets even during the corona crisis. Now it is all the more important that we organize resistance.

Meeting place: Saturday, April 18, 2020, 2 pm, gathering at Heinrichstrasse Zurich (front car in front of the Abaton). Decorate your cars with banners, flags, posters!

It is important to us that we respect the protection measures against the coronavirus. Therefore, come with a maximum of 5 people per car, stay in the cars and form groups with people you are already in contact with anyway.

# Evakuieren Jetzt: Appell für sofortige Evakuierung Geflüchteter aus der Ägäis

gefunden auf: https://evakuieren-jetzt.ch/

Es gibt Zeiten, in denen schöne Ansprachen gehalten werden können – und Zeiten, in welchen gehandelt werden muss.

#Evakuierenjetzt ruft den Bundesrat und das Parlament eindringlich dazu auf, möglichst viele Geflüchtete aus der Ägäis in die Schweiz zu holen. Als Dublin-Staat trägt die Schweiz eine Mitverantwortung für die humanitäre Katastrophe auf den griechischen Inseln. Sie hat die nötigen Kapazitäten und finanziellen Mittel, um einen wichtigen Beitrag an die Evakuierung zu leisten. Angesichts der fortschreitenden Corona-Pandemie drängt die Zeit dazu. 

Auf den griechischen Inseln in der Ägäis ereignet sich vor unseren Augen eine stille Katastrophe. Mehrere zehntausend Geflüchtete aus Kriegs- und Konfliktgebieten sind dort gestrandet, ohne dass sie Schutz erhalten würden. Die medizinische Versorgung ist nicht gewährleistet und selbst das Recht auf ein Asylgesuch wurde zeitweise ausgesetzt. Besonders dramatisch ist die Situation im Camp Moria auf der Insel Lesbos, wie die Hilfswerke vor Ort berichten. 

Den Menschen von Moria werden elementare Grundbedürfnisse wie Hygiene und Ernährung vorenthalten. Auf mehr als tausend Personen kommt ein Wasserhahn. Für die Verteilung von Essen müssen sie stundenlang anstehen, oft ist es ungeniessbar. Die Geflüchteten, mehrheitlich Frauen und Kinder, haben keine sichere Unterkunft. Die meisten leben in kleinen Zelten und selbstgebauten Hütten. Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, Weisungen zur Eindämmung des Coronavirus einzuhalten, wie sie etwa das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz ausgegeben hat. Bei einem Covid-19-Ausbruch droht eine Katastrophe mit vielen Toten.

Die unmenschliche Situation auf den griechischen Inseln ist eine Folge der europäischen Flüchtlingspolitik. Die Schweiz hat das Abkommen von Dublin mitunterzeichnet und jahrelang davon profitiert. Nach diesem Abkommen können Menschen nur in dem europäischen Land ein Asylgesuch stellen, in dem sie zuerst ankommen, beispielsweise in Griechenland. Jeder Dublin-Staat kann aber auch immer von sich aus auf Asylgesuche eintreten. Diese Möglichkeit muss die Schweiz jetzt nutzen.

Die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz befindet sich auf einem historischen Tief. Unser Staat verfügt über die finanziellen Mittel, die räumlichen Kapazitäten und die personellen Ressourcen, um viele Geflüchtete aufzunehmen und sie hier zu betreuen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die finanzielle Unterstützung Griechenlands die Situation für die Geflüchteten nur wenig verbessert hat. Es bleibt nur noch die Evakuierung. Die Schweiz hat in den letzten Tagen mit der grössten Rückholaktion ihrer Geschichte gezeigt, dass Evakuierungen möglich sind. Was für die Menschen mit Schweizer Pass gilt, das muss auch für die Verletzlichsten möglich sein. So steht es in der Präambel unserer Verfassung. 

Einige europäische Staaten haben bereits zugesagt, Geflüchtete aus Lesbos aufzunehmen. Wir fordern den Bundesrat auf, sich mit einem klaren und mutigen Signal anzuschliessen. Die Genfer Flüchtlingskonvention und die Menschenrechte für alle behalten auch jetzt ihre Gültigkeit. Die öffentliche Schweiz ist stolz auf ihre humanitäre Tradition. Diese Tradition lebt aber nur dann fort, wenn sie in Krisenzeiten erneuert wird. Es gibt Zeiten, in denen schöne Ansprachen gehalten werden können. Und es gibt Zeiten, in denen gehandelt werden muss. 

Die Ostertage 2020 sind eine solche Zeit.

Mehr auf: https://evakuieren-jetzt.ch/

 

Medizinische Versorgung in Nord- und Ostsyrien braucht dringend finanzielle Unterstützung

 
Jinwar 03.04.2020

Gleiches Virus – je nach Bedingungen und Umstände aber mit ungleichen Konsequenzen:

Medizinische Versorgung in Nord- und Ostsyrien braucht dringend finanzielle Unterstützung

 

Die Corona-Pandemie ist ein globales Problem, das die weltweite Bevölkerung aber je nach Stand der Gesundheitsversorgung und vorhandener Infrastruktur unterschiedlich trifft. Nach mehreren Jahren Bürgerkrieg und nach der Besetzung eines 120 Kilometer langen und über 30km breiten Streifens syrischen Territoriums zwischen den Sädten Tal Abyad und Sere Kaniye durch die Türkei im Herbst 2019 (sogenannte Operation Friedensquelle) ist die Lage in der selbstverwalteten Region Nord- und Ostsyrien mit Blick auf die Corona-Pandemie besonders prekär: In der Region leben 4 Millionen Menschen, 600’000 Binnenvertriebene, es sind 40 Beatmungsgeräte vorhanden und bisher 35 Intensivpflegebetten.

Präventionskampagnen laufen, alle öffentlichen Gebäude sind geschlossen, in Krankenhäusern werden Quarantänestationen vorbereitet und es werden Hygiene-Kits zusammengestellt, die in den Flüchtlingslagern verteilt werden können. Dennoch sagt der Kurdische Rote Halbmond, dass sie unter den aktuellen Gegebenheiten machtlos wären, sollte es in einem Flüchtlingslager zu einem Corona-Ausbruch kommen. Um ihre Aktivitäten schnell und möglichst flächendecken aufrechterhalten zu können, ist der Kurdische Rote Halbmond dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Vor diesem Hintergrund ist die schon länger geplante und am 1. März 2020 erfolgte Eröffnung der Frauenklinik Şîfa Jin genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Als wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung und der autonomen Frauenorganisierung wurde diese als Initiative des Frauendorfes (Kurdisch Jinwar) in Betrieb genommen. Zurzeit befindet sich die Klinik nach wie vor im Aufbau, einige Untersuchungen, Schulungen und Beratungen können aber jetzt schon durchgeführt werden. Besonders wichtig sind im Moment die in der Region organisierten Kurse zu Gesundheits- und Hygienethemen. Damit die Reichweite dieses Frauengesundheitszentrums verbessert werden kann, sammelt die Şîfa Jin Klinik Geld für ein Ambulanzfahrzeug. Dies ist deshalb wichtig, weil die medizinische Versorgung in der Region erst schwach ausgebaut ist und die Wege ins nächste Krankenhaus oft lang sind.

Flyer  

Plakat

Spenden auf: openeyes.ch

İltica Kampları İçin Acil Önlem // NOTFALLVERSORGUNG FÜR ASYLLAGER

Aufruf von : ROTA – Migrantische Selbstorganistation

İltica Kampları İçin Acil Önlem
#sofortmassnahmenfürgeflüchtete
#İlticaKamplarıİçinAcilÖnlem

Bütün dünyayı saran Korona virüsünün İsviçre’de giderek yayılmasının ardından ortalama elli kişilik kamplarda kalmak zorunda olan mültecilerin, bu süreçte yaşadıkları sorunlara karşı bir kampanya başlattık. Bu kampanya çerçevesinde Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Graubünden, Aargau kamplarından 20 kampta gerçekleştirdiğimiz röportajlar sonucu ortaya çıkan sorunları derlediğimiz bir rapor yayınladık. Bu rapor sonucunda aşağıdaki ihtiyaç listesinin mülteciler için, hiç vakit kaybetmeden temin edilmesi gerektiğini düşünüyoruz.

*Yıldızla belirtilmiş ihtiyaçlar Pandemi öncesinde de ihtiyaç olan ama bu süreçle birlikte temini konusunda ciddi problemler yaşanan, verilen maddi desteklerle karşılanması giderek zorlanan ekstra ihtiyaçlar olarak belirlenmiştir. Her yaş grubundan bebek için bez ve mama ihtiyacı vardır. Kamplardan dışarı çıkamayan bu insanların ve çocukların kaygı düzeylerini aşağı çekmek için, oyunların/oyuncakların temini de çok önemlidir.

İhtiyaçların Temini:

Yukarıda saydığımız acil ihtiyaçları karşılamak adına destek olmak isteyen herkes, bize aşağıdaki iletişim adreslerinden ulaşabilir. Bize ulaştığınızda sizi yönlendireceğimiz adrese Posta yoluyla gönderebilirsiniz. Posta yoluyla ulaştıramayanlar için gerekli güvenlik önlemleri alınarak; ihtiyaçların tarafımıza ulaşmasından, ardından da kamplara ulaştırılmasından biz sorumluyuz.

İhtiyaçların Kamplara Ulaşımı:

Belirlediğimiz ihtiyaçların temini sağlandıktan sonra kamplarda yasayan insan sayısına ve ürün sayısına göre ulaştırabileceğimiz kamplara paylaşımının ve paketlenmesinin hijyen kurallarına dikkat edilerek gerçekleştirilmesi bizlerin sorumluluğunda olacak.

İhtiyaçların paketlenmesinden kamplara ulaşımına kadar geçen bütün süreç, fotoğraf ve videolar aracılığıyla iletişim kanallarımızdan yayınlanacaktır.

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NOTFALLVERSORGUNG FÜR ASYLLAGER

Nachdem sich das Corona-Virus weltweit und auch in der Schweiz allmählich verbreitet hat, haben wir eine Kampagne für Flüchtlinge gestartet, welche in dieser schwierigen Situation in Asyllagern mit durchschnittlich 50 Personen untergebracht sind.

Im Rahmen dieser Kampagne haben wir Interviews in 20 Lagern aus Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Graubünden und Aargau durchgeführt. Basierend auf diesen Interviews haben wir einen Bericht zusammengestellt und veröffentlicht. Folgende Bedarfsliste, auf der dringend notwendige Utensilien aufgeführt sind, hat sich daraus ergeben:

* Die mit Stern gekennzeichneten Bedürfnisse standen bereits vor der Pandemie nicht zur Verfügung. Doch in dieser Situation gibt es ernsthafte Probleme mit deren Versorgung und die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel reichen nicht aus. Windeln und Nahrung werden für Babys aller Altersgruppen benötigt.
Um die Angstzustände dieser Menschen und Kinder zu senken, die die Lager nicht verlassen können, ist die Versorgung mit Spielen / Spielzeug ebenfalls sehr wichtig.

Wir sind dafür verantwortlich, alle an uns gelieferten Materialien zu desinfizieren und in Asyllagern zu liefern.

Der gesamte Prozess von der Verpackung der Bedürfnisse bis zum Transport zu den Asyllagern wird über unsere Kommunikationskanäle in Form von Fotos und Videos übertragen.

#sofortmassnahmenfürgeflüchtete
#İlticaKamplarındaAcilÖnlem

„Unsere Lebensbedingungen müssen sich grundlegend ändern“

gefunden auf: revoltmag.org

verfasst von: ROTA – Migrantische Selbstorganisation

 

„Die Gesundheit aller am Asylsystem beteiligten Personen hat oberste Priorität“, schreibt der schweizerische Bundesrat. Gleichzeitig soll aber „sichergestellt werden, dass die Kernfunktionen des Asylsystems aufrechterhalten und die Asyl- und Wegweisungsverfahren weiterhin durchgeführt werden können“. Damit positioniert sich die Schweiz – als Mitglied des Europarates – gegen den dringlichen Aufruf der Menschenrechtskommissarin, die Abschiebungen auszusetzen.

Von allen Asylzentren sind die allgemeinen Lebensverhältnisse in den sogenannten „Rückkehrzentren“ oder „Abschiebegefängnissen“ am prekärsten. Hier warten diejenigen Personen auf ihre Abschiebung, die einen negativen Entscheid auf ihren Asylantrag bekommen haben – die Prozesse dazu laufen teilweise jahrelang. Viele müssen auch in diesen Zentren sehr lange als entrechtete Personen ausharren, weil ihre Abschiebung zum Beispiel aufgrund nicht vorhandener „Rückführungsabkommen“ oder fehlender Identitätsdokumente nicht möglich ist. Dass die „oberste Priorität“, die der Bundesrat hier ausruft, nicht für alle gilt und uns letztlich damit nur noch deutlicher vor Augen führt, worin die „Kernfunktion“ des Asylsystems besteht, lässt sich anhand dieser Abschiebelager zeigen.

Unerträgliche Situation in denRückkehrzentren

Für die Verwaltung der Rückkehrzentren sind die kantonalen Behörden zuständig. Im Kanton Zürich erregt ein Fall im Abschiebelagers in Adliswil derzeit immer größere mediale Aufmerksamkeit: Eine Familie dort wurde bereits vor über zehn Tagen positiv auf COVID-19 getestet. Das drängte den sozialdemokratischen Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) dazu, in seiner allgemeinen Pressemitteilung zur Lage der Asyleinrichtungen dazu Stellung zu beziehen. Seiner Aussage zufolge verhält es sich mit der Situation im Lager in Adliswil wie folgt: Die von einem Corona-Fall betroffene Familie in Adliswil sei „nach ärztlicher Abklärung umgehend isoliert“ worden. „Alle Bewohnerinnen und Bewohner“ hätten Zugang zu Desinfektionsmitteln und Seife, auch seien „(w)eitere Isolationsmöglichkeiten (…) eingerichtet“ worden. Und weiter: Im Kanton habe man alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen – das bedeutet nach Aussagen des Sicherheitsdirektors, dass die Bewohnerinnen und Bewohner „laufend über die geltenden Maßnahmen informiert und im Umgang mit den Verhaltens- und Hygieneregeln des BAG [Bundesamt für Gesundheit, Anm. Red.] sensibilisiert“ werden. Zudem seien „(i)n allen kantonalen Zentren (…) Isolierzimmer für Verdachtsfälle und erkrankte Personen eingerichtet“ worden. Fehr resümiert zuversichtlich: „Die medizinische Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner durch die Hausärztinnen und Hausärzte ist auch in der aktuellen Situation uneingeschränkt gewährleistet.“ Auch die Regeln des Social distancing, so der Sicherheitsdirektor, könnten in den Rückkehrzentren „dank betrieblichen Anpassungen besser umgesetzt werden.“ Und weiter: „Damit die Bewohnerinnen und Bewohner die Unterkunft nicht mehr täglich zum Einkaufen verlassen müssen, ist in der Spezialunterkunft für vulnerable Personen und in mehreren Rückkehrzentren, so zum Beispiel in Adliswil, auf Catering-Betrieb umgestellt worden“. Und nicht zuletzt, die ökonomische Konsequenz, das Aussetzen der täglichen existenzsichernden Nothilfen: „Der gleichen Zielsetzung dient die Anpassung bei der Auszahlung von Nothilfe – diese erfolgt nicht mehr täglich, sondern neu einmal in der Woche.“

Inwiefern wurden diese Maßnahmen nun aber in den Lagern umgesetzt und welche Wirkung zeigen sie? Darüber haben wir – die migrantische Selbstorganisation ROTA – mit Mamado* aus Kurdistan gesprochen, der seit über einem Jahr im Rückkehrlager in Adliswil lebt.

„Unsere Lebensbedingungen müssen sich grundlegend ändern!“

Im Gespräch mit Mamado wird deutlich, dass fast keine der genannten Maßnahmen umgesetzt wurden. Im Gegenteil: Die Kommunikationsstrategie der Kantons- wie Bundesbehörden entpuppt sich als schlechter und manipulativer Versuch, die Inkompetenz der Verwaltungsstrukturen und die Realität der Zustände in diesen Lagern zu verdecken. Zudem erscheint das Verhalten der Behörden sehr willkürlich, da in anderen Asyleinrichtungen viele der genannten Vorkehrungen getroffen wurden.

Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass gerade die Bewohner*innen der Abschiebelager sich selbst und der Pandemie überlassen werden. Es handelt sich hier um jene Asylsuchende, die jegliche Grund- und Menschenrechte in der Schweiz verloren haben und denen damit unmissverständlich klar gemacht wird, dass ihr Recht auf Leben hier niemanden interessiert.

ROTA: Mamado, bei euch im Lager wohnt eine Familie*, die positiv auf COVID-19 getestet wurde. Was unternimmt die Lagerverwaltung?

Mamado: Die Verwaltung hat nicht wirklich viel unternommen. Die Familie wurde nicht isoliert oder in Quarantäne genommen. Sie benutzt weiterhin alle Kollektivräume und Sanitäranlagen, die wir auch benutzen. Die Familienmitglieder machen ihren Abwasch dort, wo alle ihn machen und holen die gelieferten Nahrungsmittel auch selbst dort ab, wo alle sie abholen. Effektiv teilen wir also die Räume mit ihnen. Wir können uns diesbezüglich nicht abgrenzen oder schützen.

Die betroffene Familie hat öffentlich in den Medien davon berichtet, dass sie krank und nicht unter Quarantäne gestellt worden sei. Es seien zwar mobile Duschen und Toiletten eigens für sie aufgestellt worden, aber diese sind weit vom Lager entfernt und für die Familie mit Kind nicht immer gut erreichbar. Tagsüber können sie diese mobilen Sanitäranlagen nutzen. Nachts aber ist es aufgrund der Dunkelheit und Krankheit schwieriger, vor allem auch für das Kind, weshalb sie hin und wieder die kollektiven Sanitäranlagen nutzen.

Wie sieht es mit der Versorgung von Hygieneutensilien und der Aufklärung zum Schutz vor Corona aus?

Die Küche ist generell sehr schmutzig. Allgemein wurde das Lager bisher weder gereinigt noch desinfiziert. Die Verwaltung hat uns keine Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Erst gestern wurden Flüssigseifen und Shampoos geliefert und verteilt. Davor sind wir selbst zum Roten Kreuz gegangen, wo wir dann Hygieneutensilien bekommen haben. Wir wurden bisher nicht über den Stand der Dinge zur Corona-Pandemie informiert. Bevor Mario Fehr von der Sozialdemokratischen Partei unser Abschiebelager besichtigte, wurden lediglich die vom BAG verteilten Hinweise zu den empfohlenen Hygienemaßnahmen aufgehängt – also, wie wir niesen und unsere Hände waschen sollen. Dazu kommt, dass sie uns dann gesagt haben: „Haltet euch an den Sicherheitsabstand von zwei Metern und verlasst eure Zimmer nicht“. Natürlich haben wir uns zuvor schon über das Internet selbst informiert und verfolgen die Nachrichten. Deshalb kannten wir diese Verhaltensregeln bereits, bevor sie die Poster aushingen. Aber abgesehen von den Postern gab es keine weiteren Informationen oder Materialien dazu.

Wie gehen die Bewohner*innen mit der Situation um?

Wir betrachten uns hier eigentlich als eine große Familie. Normalerweise ist es so, dass sich die anderen Familienmitglieder im Haus entsprechend verhalten, wenn ein Familienmitglied krank wird. Wir versuchen also, auf die Bedürfnisse der Erkrankten zu achten. Im Lager leben wir alle aber so eng zusammen und benutzen dieselben Räume: die Küche, die WCs und die Duschen. Die Korridore sind eng und sobald wir unsere Zimmer verlassen, begegnen wir uns ständig und können gewiss keine zwei Meter Distanz einhalten. Wir versuchen nun also auch, die notwendigen Maßnahmen so gut es geht einzuhalten, aber das reicht in keinster Weise aus. Man müsste etwas grundlegend an unseren Lebensbedingungen ändern, damit wir in der Lage wären, die Vorschriften einzuhalten.

Die alten und kranken Mitbewohner*innen, also die Risikogruppen, wurden ins Abschiebelager in Embrach gebracht. Das ist richtig so. Aber hier gibt es bis heute keine Quarantäneräume, obwohl wir eine infizierte Familie unter uns haben. Hinzu kommt, dass das Zimmer dieser Familie am Ende eines sehr engen Korridors liegt, über den man zehn Wohnräume erreicht. Die Familie bewegt sich ständig in diesem Korridor, sitzt draußen im Garten und begegnet uns an vielen Orten, und die Verwaltung tut so, als sei einfach nichts Bedenkenswertes daran. Wir brauchen hier Quarantäneräume.

Wie ist es mit dem Zugang zum Gesundheitssystem?

Niemand darf in die Praxis zu den Ärzten gehen, außer er oder sie weisen schwerste Krankheitssymptome auf. Meiner Frau zum Beispiel geht es seit einigen Tagen sehr schlecht. Ich habe die Verwaltung darum gebeten, dass sie die Arztpraxis aufsuchen darf oder ein Arzt gerufen wird. Sie haben nicht reagiert. Vorhin kam dann die Nachricht, dass sie vielleicht morgen zum Arzt gehen kann. Wir warten ab.

Obwohl die Verwaltung also weiß, dass es positive Fälle von Corona gibt und weitere Bewohner*innen Krankheitssymptome aufweisen, wird nichts unternommen?

Als COVID-19 bei der betreffenden Familie festgestellt wurde, haben wir der Verwaltung mehrmals gesagt, dass sie die notwendigen Maßnahmen umgehend ergreifen müssen. Die Familie wurde nicht daran gehindert, sich frei im Lager zu bewegen, noch sorgte man dafür, dass sie wenigstens Atemschutzmasken und Einweghandschuhe bekommen und benutzen, sobald sie die Kollektivräume betreten. Ihre Antwort auf unser Drängen war, dass sie nichts tun können und der Kanton und das Migrationsamt zuständig seien. Sie hätten die entsprechenden Stellen bereits kontaktiert, bisher aber noch keine Antwort erhalten.

Die Lagerverwaltung zieht sich auf die Position zurück, dass sie hier nur Angestellte seien und lediglich das ausführen, was ihnen aufgetragen wird. Und da ihnen diesbezüglich nichts aufgetragen worden sei, könnten sie an der Situation nichts ändern, ihnen seien die Hände gebunden. Kürzlich haben sie uns Folgendes gesagt: „Es handelt sich hier um eine globale Sache, um eine Pandemie, weshalb wir alle lernen müssen, diese Zustände auszuhalten.“ Was soll ich dazu noch sagen? Heute wurde eine weitere Familie positiv getestet. Wir haben alle Angst vor einer weiteren Ausbreitung im Lager. Es herrscht zunehmend große Unsicherheit zwischen den Menschen hier, weil wir überhaupt nicht wissen, wer das Virus schon in sich trägt und wer nicht. In einem Lager ist dies nochmal sehr viel schwerer zu ertragen.

Die Situation in den Lagern war ja bereits vor dem Ausbruch der Pandemie extrem prekär. Wir wissen, dass ihr als illegalisierte Personen ohne jegliches Aufenthaltsrecht durch eure schiere Anwesenheit gegen geltendes Gesetz verstoßt und immer wieder dafür bestraft werdet. Hat sich diesbezüglich etwas getan?

Seit dem Ausbruch der Pandemie kommt die Polizei nicht mehr ins Lager. Davor sind sie ständig gekommen, meist sehr früh am Morgen, um die Menschen vor den Augen ihrer Kinder festzunehmen und wegzubringen. Mir ist das schon zwei Mal passiert. Meine Frau haben sie auch schon mal mitgenommen. Wir haben drei Kinder, eines davon ist noch ein Säugling, weshalb ich die Polizei darum gebeten habe, dass sie mich statt meiner Frau mitnehmen. Sie haben dann meiner Frau Handschellen angelegt, meine Kinder haben geschrien und geweint. Ich konnte nichts machen. Das passiert hier so gut wie allen Bewohner*innen. Wir werden zwar wieder freigelassen und kommen auch wieder hierher, aber sie brummen uns hohe Geldstrafen auf für illegalen Aufenthalt. Meist mehrere tausend Franken, die natürlich niemand von uns hat. Das wiederholt sich ständig. Sie verfolgen damit das Ziel, uns so lange für unser fehlendes Recht, uns hier aufzuhalten, zu bestrafen, bis wir selber gehen. Unsere Anwälte wissen, dass es sich mit diesen Strafen so verhält. Aber weder können wir gehen noch können sie etwas dagegen tun.

Der Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) hat gesagt, dass aufgrund der besonderen Lage fertige Mahlzeiten geliefert werden, damit die Bewohner*innen ihre Mahlzeiten nicht mehr in den Kollektivräumen zubereiten müssen. Dafür sei euch die tägliche Nothilfe von 8,50 Schweizer Franken gestrichen worden, weil ihr die ja jetzt nicht mehr nötig haben würdet. Was sagst du dazu?

Ich wurde mit der Verteilung der Essenlieferungen hier im Lager beauftragt. Ich sehe also, was das für Essen ist und was damit passiert. Das Meiste davon wird nicht verzehrt. Die Menschen hier kommen aus allen möglichen Ländern und jeder und jede hat religiöse und kulturelle Besonderheiten. Ihnen bekommt dieses Essen entweder nicht oder es verstößt gegen religiöse Essensregeln. Oder auch, weil sie dieses Essen nicht kennen, wird es oft nicht verzehrt. Dies führt dazu, dass wir trotz der Wichtigkeit, uns gerade jetzt gut und gesund zu ernähren, letztlich weniger Nahrung zu uns nehmen. Das kann unser Immunsystem schwächen und uns für COVID-19 anfälliger machen. Man muss uns die Möglichkeit und die Räume geben, uns selbst gut zu ernähren.

Aufgrund dieser Umstrukturierung habe ich seit Wochen kein Geld mehr von der Verwaltung bekommen. Das machen sie, damit wir nicht mehr einkaufen gehen. Da aber das Catering-Essen für uns nicht essbar ist, können wir im Moment nicht einmal mehr die Grundbedürfnisse unserer Kinder befriedigen.

Und wie steht es um deinen Asylantrag?

Meine Akte wurde geschlossen und seither hat sich nichts getan. Es gibt keine Möglichkeit zu erfahren, ob sie erneut geprüft wird oder nicht. Ich bin seit über einem Jahr schon in diesem Rückkehrzentrum. Sowohl das Migrationsamt als auch die Polizei, die mich immer wieder mal verhaftet, sagen mir, dass ich das Land verlassen soll. Ich kann aber nicht zurück in mein Land, weil ich dort politisch verfolgt werde und mich dort eine langjährige Gefängnisstrafe erwartet. Ich habe keine Chance auf einen Einspruch dort. Das Gerichtsurteil wurde letztinstanzlich bestätigt. Die Behörden hier interessiert aber nur, dass ich dieses Land verlassen soll.

[Stand: 03. April 2020]


* Am Montag, den 5. April erhielt Mamado [Name geändert; Anm. d. Aut.] ein positives COVID-19-Testergebnis. Damit sind es offiziell drei Familien, die in Adliswil am Virus erkrankt sind. Über das Wochenende wurde die zwei anderen infizierten Familien bereits in verschiedene Einrichtungen im Kanton Zürich verlegt und befinden sich in Quarantäne. Die Bewohner*innen des Abschiebelagers berichten allerdings von vielen weiteren Menschen mit entsprechenden Symptomen. Der Kanton und die Verwaltung habe trotz zahlreicher Hinweise und Protest der Bewohner*innen und der behandelnden Ärzt*innen viel zu spät reagiert, meint Markus Fritzsche, Arzt in Adliswil: „Ich gehe davon aus, dass etliche erkrankt sind. Wir verlieren wertvolle Zeit.“ Die Maßnahmen beschränken sich einzig darauf, die positiv diagnostizierten Personen zu verlegen, anstatt weitere Präventivmaßnahmen zu ergreifen und den Schutz der Bewohner*innen effektiv zu gewährleisten. Unter den Bewohner*innen befinden sich viele gesundheitlich geschwächte Personen, weshalb sowohl die zuständigen zivilen als auch staatlichen Verwaltungsinstanzen grob fahrlässig handeln. Die Stimmung im Lager selber ist niedergeschlagen, berichtet Mamado. Er sagt: „Jetzt brauchen sie niemanden mehr zu verlegen, wir sind sowieso schon alle infiziert. Jetzt zu verlegen bedeutet den Virus weiter zu verbreiten.“


ROTA ist ein 2019 in der Schweiz gegründetes Kollektiv, das ausschließlich aus Migrant*innen besteht. Es kämpft in eigenem Namen für die politischen, sozialen und kulturellen Rechte der Migrant*innen, die vor allem im Asylbereich oft inexistent sind. Das aktuelle Ziel von ROTA ist die Gründung einer Plattform, auf der sich Migrant*innen kollektiv über ihre spezifischen Probleme verständigen und eigene Lösungen formulieren und verfolgen. In Bezug auf die Situation in den Abschiebelagern hat ROTA eine klare Haltung: Die politischen und zivilen Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. ROTA ist auch auf Facebook und Twitter erreichbar.